Sommer 2019

Sommer 2019

Dieses Jahr ist diese Seite eindeutig zu kurz gekommen - aber unsere kleinen Freundinnen sowie die Arbeit in unserem Lebensraum Garten hatten eben einfach Vorrang.  


So hat sich denn einiges getan. Eine weitere Bienenweide wurde eingerichtet, so dass sowohl unsere Honigbienen als auch viele große und kleine Wildbienen, Schmetterlinge, Nachtfalter, Schwebfliegen, Wanzen und Käfer ausreichend Nahrung finden.


Direkt daneben hat ein neues Kräuterbeet mit sechzehn verschiedenen Küchenkräutern seinen Platz gefunden - ebenfalls sehr zur Freude unserer geflügelten Mitbewohner. Bohnenkraut, Thymian, Zitronenverbene und -melisse und Pimpinelle gedeihen hier ebenso gut wie Minze, Oregano, Olivenkraut und Thaibasilikum. Und es ist eine Freude zuzuschauen, wie alle ausgiebig von den Insekten durchwuselt werden. 


Und wie geht's den Bienen?

Sollten Sie irgendwo einmal gehört oder gelesen haben, dass Bienen bei Temperaturen über 30°C nicht mehr fliegen können, da sie die eigene Körperwärme ja nicht mehr an die Umgebungsluft abführen können - trauen Sie ihren eigenen Augen und seien Sie versichert:


es stimmt nicht!


Das erste, was Ihnen an den sehr warmen Tagen in puncto Bienen vielleicht aufgefallen ist:

die Bienen versorgen sich nicht nur mir Nektar und Pollen, sondern auch mit Wasser - entweder an einem Teich, an einer durch Sie aufgestellten Tränke oder an frisch gegossenen Pflanzen. Auch Bodenabdeckungen wie nasses Moos vollgesogener Mulch werden dabei gerne angenommen.


Natürlich brauchen auch die Bienen etwas von dem kühlen Nass für sich, aber wie gesagt - nur ein wenig. Damit sie während des Fluges ihren Körper etwas abkühlen können, drücken sie ein kleines Wassertröpfchen an die Spitze des gebildeten Saugrüssels, das dann durch die Verdunstung etwas Linderung verschafft. Aber auch hier wird nur ein kleiner Teil der  verbraucht. Der größte Teil der insgesamt 50 µl fassenden Ladung wird in den Bienenstock gebracht - wo sie schon sehnlichst erwartet wird.


Hier wird das Wasser an verschiedenen Stellen im und um das Brutnest herum abgelegt, woraufhin die Bienen beginnen, das Wasser durch Fächeln mit den Flügeln zu verdunsten. Die dabei entsehende Kühle verhindert, dass die Bienenbrut überhitzt und stirbt.


Den zur gleichen Zeit am Flugloch sitzenden Bienen dagegen ist es nicht einfach zu heiß zum Fliegen, auch sind sie keineswegs faul - bei genauerer Betrachtung sieht man was sie da eigentlich tun: sie fächeln die warme Luft aus dem Stock heraus ins Freie.


Stellen Sie sich vor, Sie befinden sich in einem überhitzten Zimmer. Die Klimaanlage versucht dabei kühle Luft ins Zimmer zu bringen, aus dem aber die vorhandene warme Luft nicht entweichen kann. Das kann nicht funktionieren!


So bilden die am Flugloch fächelnden Bienen geradezu den Abzug für die Klimaanlage, während vom offenen schattigen Boden der Bienenwohnung frische und kühlere Luft nachströmt, die dann oben von Wasser verdunstenden Bienen im Kreislauf weitergefächelt wird und so fort.


Eine weitere Maßnahme der Bienen die Brut zu kühlen besteht darin, dass sich kühlere Bienen von draußen dicht auf die Brut setzen um Wärme abzunehmen. Haben sie sich aufgeheizt, begeben sich zur Abkühlung ins Freie, während schon frisch abgekühlte Bienen ihren Platz einnehmen. Da sich das ganze in einem Bereich zwischen 38°C und 40°C abspielt könnte man vielleicht meinen, das sei aufgrund dieses geringen Temperaturbereiches zu vernachlässigen - aber, wie bei einem Wärmetauscher: die Menge macht's.


Und, was soll ich Ihnen sagen: das alles funktioniert - letztes Jahr, dieses Jahr, überall auf der Welt, seit Millionen von Jahren, auch ohne dass man  Bienenstöcke mit Wasser besprüht!


Es ist also keine Brut ist gestorben, den Bienen geht's gut, samt ihrer Königin.

Hier erkennen Sie die rot (für 2018) gekennzeichnete Königin mit ihrem deutlich längeren Hinterleib  - umgeben von ihrem Hofstaat.


Bei den Bienen direkt hinter den drei Hofstaatbienen rechts von der Königin sowie bei der Biene ganz links oben handelt es sich jeweils um ein Männchen - einen Drohn, der durch sein wesentlich voluminöseres Erscheinungsbild leicht zu erkennen ist.


Bei den mit Wachsdeckelchen verschlossenen Zellen handelt es sich nicht um Brutzellen, sondern um mit Honig gefüllte Zellen des Futterkranzes um das Brutnest herum. Jede Brutwabe ist beidseitig so ausgestattet, damit die Laufwege zur Fütterung der Brut möglichst kurz sind.

So durchsummten unsere Bienen also auch an den sehr warmen Tagen unseren Garten, auch sehr zur Freude der besuchten Pflanzen. Halt, werden Sie sagen, das geht wohl doch zu weit. Ich muss zugeben, dass ich wirklich nicht weiß wie sich eine Pflanze freut - aber israelische Wissenschaftler haben wohl  in Versuchen an Oenothera drummondii, einer Nachtkerzenart, ertaunliches festgestellt. Sie beschallten einige Blüten mittels kleiner Lautsprecher drei Minuten lang mit den Fluggeräuschen der potentiellen Bestäuber oder Geräuschen gleicher Frequenz. In der nachfolgenden Untersuchung des Nektars zeigte sich, dass der Zuckergehalt um bis zu 20% höher lag als im Nektar nicht beschallter Blüten.

( Neueste Badische Nachrichten 16.01.2019 ) / ( Bienen Journal 3/2019 )




...und dann geht es schon los. Nur noch ein bisschen, und ...




Aah, hier. Köstlich!



Noch ist die Blüte geschlossen, aber lange kann es ja jetzt nach Sonnenuntergang nicht mehr dauern...




...na endlich! Aber wo ist denn jetzt der leckere Nektar?

So freuen wir uns alle:

wir uns am fröhlichen Gewusel in den von uns erhaltenen und geschaffenen Lebensräumen, die Insekten am zuckerhaltigen Nektar und wir uns wiederum  am leckeren Honig.


Bis bald

Ihre Familienimkerei Weinhold