Winter 2018 /2019

Winter 2018 / 2019

Ja, Sie lesen richtig! Seit dem 01.11.2018 (DWD 13.11.2018) hat bei uns mit dem Blattfall der Stieleiche der phänologische Winter eingesetzt.


Statt aber mit Schal, Mütze, Thermounterbekleidung und Winterjacke gingen die Kinder in Strickjäckchen zum Martinssingen, und auch viele von uns mögen die derzeitigen Temperaturen schätzen. Aber insgeheim spüren wir wohl doch alle: Irgendetwas ist hier ganz gehörig falsch!


Zur Zeit (Mitte November 2018) müssen auf den Feldern die Edbeeren abgeerntet werden, damit sie nicht an den Pflanzen verfaulen. Und auch der Haselstrauch hat erneut angefangen zu blühen. In der Tat sind die Pollen der Haselnuss sind im Frühjahr ein sehr wichtiger Futterbestandteil zur Ernährung der Bienenlarven.


Wie jetzt?    Frühjahr?    Bienenlarven?    Im Winter?


Schon wieder richtig gelesen.

Es liegt nun einmal in der Natur der Bienen, dass sie bei Temperaturen über 10°C ausfliegen und das große Draußen nach Nektar und Pollen durchsummen.

Die Bienen, die zu dieser Jahreszeit eigentlich über mehrere Wabenrähmchen hinweg in einer Traube zusammengeballt sitzen und sich selbst und die Königin durch Vibrieren mit den Flugmuskeln zu wärmen, fliegen jetzt draußen herum!


In der Regel wird eine im Herbst geschlüpfte Winterbiene ein halbes Jahr alt, sie lebt also von Oktober bis April. Dies funktioniert aber nur deswegen, weil sie sich nicht mit sehr anstrengenden Arbeiten wie Fütterung von Larven, Bauen, Putzen und Sammeln von Pollen und Nektar zu beschäftigen haben, sondern nur mit Wärmen und dem abwechselndem Holen von eingelagertem Futter.


In der Regel besteht ein Winterbienenvolk aus ausreichenden 6.000 bis 8.000 Bienen, die also alle ungefähr ein halbes Jahr leben, bis die neue Frühjahrsbrut schlüpft. Durch ihre Emsigkeit bei diesen Temperaturen (und dem "herrlich trockenen und sonnigen Wetter") verbrauchen sie ihre Kraft, und sie werden nur noch vier bis sechs Wochen alt.


Und dann?


Zum Ausgleich für die abnehmende Bienenzahl haben die Königinnen schon vorgesorgt und neue Eier gelegt. Die nach drei Tagen geschlüpften Larven müssen danach drei Tage lang mit Futter aus der Futtersaftdrüse (Gelee Royale) gefüttert werden, was überaus anstrengend ist. Danach bekommen die Larven dann Bienenbrot, das von den Bienen aus Pollen und Honig hergestellt werden muss.


Für den Honig können die Bienen auf das Anfang September eingefütterte Winterfutter zurückgreifen, aber die Pollen müssen an noch oder schon wieder blühenden Pflanzen gesammelt werden. Und das tun unsere kleinen Freundinnen auch: Fast jede zweite Sammlerin kommt mit vollen Pollenhöschen und damit dem benötigten Proteinfutter zurück.


Die uns verbleibenden Möglichkeiten liegen in der Nachfütterung mit Nektar (und vielleicht auch von mit Pollen angereichertem Proteinfutter) und einer gegebenenfalls notwendig gewordenen Vereinigung zu schwacher Bienenvölker.


Aber das gilt für die Honigbienen, die ja den aufmerksamen Imker beiseite stehen haben.

   




Aber das gilt nicht für die Wildbienen. Die größte Anzahl der über 500 bei uns (noch!) lebenden Wildbienen leben solitär, richten also in geeigneten Behausungen Bruthöhlen her, legen selber Eier, bevorraten die Höhlen mit Futter und verschließen diese dann und so weiter.


Zu dieser kalendarischen Jahreszeit haben viele dieser im Herbst geschlüpften Wildbienen-"Königinnen" (übrigens zählen auch die kuscheligen Hummeln zu den Wildbienen) eigentlich einen Unterschlupf in einer geeigneten Behausung im frostfreien Erdreich aufgesucht. Gab es für die Wildbienen hier bei uns ein deutliches Temperatursignal zur Winterruhe? Hoffentlich ja. Führen die immer noch viel zu hohen Temperaturen zu einem zu frühen Auftauchen aus der Erdhöhle oder zu einem zu frühen Schlupf der im Herbst angelegten Brut? Hoffentlich nein.


Es wird Zeit, dass es kühler wird. Aber auch wieder nicht zu drastisch, weil sonst die Honigbienenbrut erfriert, denn die Honigbienen heizen ja nicht den ganzen Bienenstock, sondern nur ihre Traube. Zunächst werden sie zwar bei einem schnellen Absinken der Temperaturen versuchen die Brut durch Vibrieren mit den Brustmuskeln auf der Brutwabe zu wärmen, aber das klappt ja nur für einen begrenzten Zeitraum, nicht also für zwei bis drei Wochen.


Also wünschen wir uns einen gemächlichen Rückgang der Temperaturen, damit die Königin aufhört Eier zu legen, die Brut "auslaufen" kann und sich die völlig verwirrten (verwirrt deshalb, wei die Temperaturen und das Pflanzenverhalten so gar nicht zum Sonnengang passt!) Tierchen endlich zur Wintertraube zusammenfinden können.


Hoffen wir das beste.



13. Dezember 2018:


Na, wer sagt's denn: es geht doch! Endlich ist es etwas kühler geworden und unsere kleinen Freundinnen finden sich zu ihrer "Winterkugel" zusammen, wie es zu dieser Jahreszeit sein soll. Schön kuschelig wärmen sie sich gegenseitig durch Vibrieren mit den Flugmuskeln, die Königin gut geschützt irgendwo in der Mitte. Die Bienen, die gerade außen sitzen sind für das Futterholen zuständig. Das Futter wird dann von außen nach innen weitergereicht. Wenn die äußeren Bienen dann ausgekühlt sind, krabbeln sie etwas nach innen ins Warme, und andere sind mit Futterholen dran.


Zugleich bekommen die Bienen auch jetzt ihre abschließende Winterbehandlung gegen die Varroamilben, damit sie im folgenden Frühjahr weitestgehend verschont von diesen garstigen Plagegeistern ins neue Bienenjahr starten können.

23. Januar 2019:  Eben ruhten sie noch...

25. Februar 2019:  ...und hier fliegen sie schon wieder.

Dass der Teich im Schatten noch gefroren ist, interessiert sie dabei nicht im Mindesten. Bei den Bienen wärmt die Sonne, und dass allein zählt!

Perfektes Wetter für den Reinigungsflug. Und nebenbei werden schon kräftig Pollen und Nektar herangeschafft. Bei klarem Wetter sind sie dabei überall zu sehen: Erle und Hasel blühen, ebenso wie die Kornelkirsche oder die Krokusse. Hier gibt es dringend benötigtes Kraftfutter für die Kleinen, denn die Königinen sind schon sehr emsig dabei, Eier zur Vergrößerung der Völker zu "stiften". Immerhin: bald geht der Winter zu Ende!


Vielleicht sehen Sie ja mal bei Ihrem Spaziergang die eine oder andere unserer kleinen Freundinnen, wie sie mit vollgestopften Pollenhöschen nach Hause eilt....

Bis bald


Ihr "Privatimker"