Frühsommer 2020

Frühsommer 2020

Der Frühsommer mit der Holunderblüte, der im langjährigen Mittel Nordrhein-Westfalens um den 22. Mai beginnt, hat dieses Jahr bei uns schon am 21. April begonnen.


Wie nicht anders zu erwarten, wieder besagte vier Wochen früher. 


Quelle zur Phänologie: Deutscher Wetterdienst

So sind denn auch unsere kleinen Freundinnen schon seit Anfang April in Schwarmstimmung. Die Bildung von Schwärmen ist der Verbreitungsweg der Bienen.


In der Schwarmzeit werden von den Bienen meist am unteren Rand der Wabenrähmchen spezielle Königinnenzellen angelegt, in die die Königin (Weisel) jeweils ein befruchtes Ei legt. Im Gegensatz zur normalen Arbeiterinnenbrut werden diese Larven auch nach den ersten drei Tagen des Schlupfes weiterhin mit großen Mengen Gelee Royale gefüttert. Um den schnell wachsenden Königinnenlarven Raum zu geben, werden die Zellen einfach nach unten erweitert, wodurch die Weiselzellen wie lange Zäpfchen aussehen.  

Foto: Schwarm-Weiselzellen

Hier sehenSie sowohl leere als auch belegte Schwarm-Weiselzellen am unteren Rand einer Brutwabe. Zugleich sehen Sie, mit welchen Mengen Gelee Royale die kleinen Königinnenlarven gefüttert werden.

Foto: Nachschaffungs-Weiselzellen

Angelegte Nachschaffungs-Weiselzellen mitten auf der Brutwabe neben den viel kleineren Brutzellen für die Arbeiterinnen.

Der Zeitpunkt der Verpuppung der Königinnenlarve und damit der Verdeckelung der Weiselzelle ist für die "alte" Königin das Signal, das Nest zu verlassen.

Sie und ein großer Teil des Bienenvolkes bereiten sich ab jetzt auf den Auszug vor. Innerhalb der nächsten Tage (bei schlechter Witterung vielleicht auch noch etwas später) verlässt der Schwarm den Bienenstock und sucht sich zunächst einen Rastplatz in der näheren Umgebung. Von dort aus suchen Kundschafterinnen geeignete neue Nistmöglichkeiten. Bis zum Umzug können durchaus bis zu drei Tage vergehen, weil alle eingehenden Informationen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen, denn es geht um nichts weniger als eine dauerhafte neue Bleibe.   

Animierter GIF: Bienenschwarm in Tanne

Und warum Sie sich bei diesem Anblick nicht sorgen müssen, haben Sie schon auf unserer vorherigen Seite


(Aktuelles / Vollfrühling)


erfahren.

Übrigens:


In unserer heutigen Umwelt finden sich nur sehr wenige natürliche Nistmöglichkeiten für Bienenschwärme. Die geeigneten Bienenstöcke der Imker bieten hier wohl die bessere und dauerhaftere Alternative für die Tiere, zumal sie hier auch gegen Schädlinge, allen voran die Varroamilbe, geschützt werden können.  

Oft geht es bei den Bienen aber auch einfach nur darum, die "alte" Königin los zu werden, meist weil das bisherige "Staatsoberhaupt" nicht mehr genügend befruchtete Eier legt. Man geht dabei mit ihr nicht gerade zimperlich um. Es kann sein, dass sie, nach gelungener Aufzucht neuer Königinnenlarven in Nachschaffungszellen mitten auf dem Brutbrett (siehe Bild) einfach getötet und entsorgt wird. Es gibt aber auch eine durchaus subtilere Methode, auch wenn diese etwas aufwändiger ist.


Man bereitet sich mit der noch amtierenden Königin auf den Auszug vor und bildet einen Schwarm. 


Die Königin sucht sich wie üblich einen Rastplatz in der Nähe und lässt sich dort nieder. Das Gros der anderen Bienen bildet jedoch nicht, wie sonst üblich, innerhalb der folgenden Stunde eine Traube um ihre bisherige "Herrin", sondern begibt sich in dieser Zeit nach und nach klammheimlich zurück in sein altes Zuhause und überlässt die Königin ihrem Schicksal, das sich oft im Schnabel eines Vogels erfüllt. 

Zuhause angekommen, dauert es eine Weile, bis sich der Stau aufgelöst hat und alle Rückkehrer sich wieder im Inneren des Stockes sortiert haben.

Dumm für die Bienen ist es bei einer solchen Aktion nur, wenn sie bereits eine neue Königin bis zum Schlupf gebracht haben und sich diese dem Entsorgungsschwarm für die alte Königin angeschlossen hat. Nach anfänglichem Zweifel siegt dann beim den Schwarm einfangenden Imker die Freude darüber, das er in einem Arbeitsgang gleich

zwei Königinnen nach Hause bringen darf. 


Haben allerdings die verbliebenen Bienen im Stock jetzt keine weitere Weiselzelle und auch keine Eier oder junge Larven mehr, dann sieht es für das Volk schlecht aus,

denn sie können sich ja dann keine neue Königin mehr nachschaffen.

Hier muss dann der Imker des abgeschwärmten Volkes nachhelfen.

Es kann nur eine geben !


Da es im Normalfall im Bienenvolk nur eine Königin geben kann, gilt in der Regel, dass nach dem Auszug der "alten" Königin diejenige Neue den Status "Königin" hat, die als erste schlüpft. Um sich ihre Machtposition zu sichern, ruft diese die noch nicht geschlüpften potentiellen Königinnen, die daraufhin auch prompt antworten.


Hierbei ist noch nicht gänzlich geklärt, ob dies wirklich nur eine Antwort sein soll, oder ob es sich nicht eventuell viel mehr um einen Hilferuf an die Bienengemeinschaft handelt, sie vor der tödlichen Bedrohung durch die rufende Königin zu schützen. Wir gehen mittlerweise von Letzterem aus, da dieses Rufen der Weisel in der Zelle auch bei Lageveränderungen des Wabenrähmchens zu vernehmen ist. Aber wie dem auch sei, man kann dieses Rufen bei ruhiger Umgebung deutlich hören.


Wir haben dieses für Nichtimker doch eher seltene Ereignis einmal in einem Standbildvideo hörbar gemacht. 

Wie bereits erwähnt:


Es ist Schwarmzeit, und so durften wir bereits bis zum 09. Mai schon sieben Schwärmen ein neues Zuhause geben. Dazu treffen wir mit Leiter, Fangkorb, Schere und neuem Bienenstock ausgerüstet am zwischenzeitlichen Rastplatz des Schwarms ein, und häufig klappt ein Sichern des Schwarms auch in relativ kurzer Zeit.


Es kann aber genauso gut geschehen, dass sich die Königin beim Einschlagen fallen lässt, wegkrabbelt oder auffliegt und sich alle Bienen, dem betörenden Duft der Königin folgend, etwas weiter im Geäst wiederfinden. Dann kann sich so eine "Bergung" über mehrere Stunden hinziehen, besonders in einer dichten Eibenhecke.


Hier fand sich nach siebenmaliger Besteigung der Leiter ohne Erfolg jedoch glücklicherweise eine andere Methode: Die einfangende Hand selbst schien der Königin beim achten Mal als Sitzplatz geeignet, und alle sie umsummenden Bienen ließen sich innerhalb kurzer Zeit bei ihr nieder. Nachdem uns die Bienentraube für die zwischenzeitliche Sicherheit der Königin groß genug erschien (und die Hand doch langsam schwer wurde), wurde diese mit größter Vorsicht und ohne Erschütterungen zum mitgebrachten Bienenstock geführt und dort unter dem Absperrgitter

(hier passt die Königin nicht hindurch, da sie größer ist)

abgeschüttelt.

Foto: Bienenschwarm an Hand

So einfach kann es gehen  -  nach dreieinhalb Stunden!

Da wir nicht wissen, was sich in den nächsten Tagen noch alles so ereignet


(aber es soll ja kühl und nass und damit vielleicht etwas ruhiger werden),


verbleiben wir (zunächst) bis zum Hochsommer


Ihre "Privatimker"

Bienenfee-1