Hochsommer 2020

Hochsommer 2020

Sie haben es mit Sicherheit schon gemerkt: Seit dem 09. Mai ist bei uns mit der blühenden Sommerlinde der Hochsommer eingekehrt.


Hochsommer: im vieljährigen Mittel sowohl Deutschlands als auch Nordrhein-Westfalens beginnt er Mitte Juni und dauert bis Anfang August. 


Wir lagen also mit dem Beginn dieser phänologischen Jahreszeit nicht mehr nur vier, sondern ganze sechs Wochen zu früh. 


Es tut sich was. 


Hinzu kommt (bei uns), dass es (mit lokalen Ausnahmen) seit Monaten nicht ausreichend geregnet hat und vielerorts schon seit Mai Waldbrandgefahr besteht.


Angaben zur Phäniologie: Deutscher Wetterdienst (DWD)

Und was machen die Bienen?


Wie bereits im Frühsommer beschrieben: Viele Völker haben die lange sehr warme Zeit genutzt und haben sich, oft unbemerkt, neue Königinnen herangezogen und haben die alten Königinnen mit einem großen Teil der Stockbewohner zum Auszug bewegt - sprich - sie sind geschwärmt. Noch nie haben wir so viele Schwärme aus den Gärten besorgter Anrufer abholen dürfen wie dieses Jahr. Dabei ist es keines-wegs so, dass die Imker sich über ein solches Volk übermäßig freuten. Denn es handelt sich ja dabei schließlich um ein "schwarmfreudiges" Volk. Mit dieser genetischen Anlage möchte man wirklich keine neuen Völker begründen.


Der Grund, warum wir diese Schwärme retten, ist, nun zuerst einmal, weil wir als Imker die Fachleute für solche Aktionen sind. Und weiterhin ist es einfach so, dass ein Schwarm in unserer heutigen Umgebung so gut wie keine natürliche Nistmög-lichkeit wie hohle Baumstämme oder Ähnliches mehr finden. Rolladenkästen sind zwar schön, aber Bienen haben will dort auch keiner wirklich. 


Und so sind die Bienen mit mehr oder weniger mangelhaften Alternativen gesegnet. Hinzu kommt, dass die Belastung durch die (dort unbehandelte) Population mit der asiatischen Milbe varroa destructor dem Schwarmvölkchen spätestens im Winter den Garaus macht. Also: wir retten die Schwärme um ihretwillen - nicht weil wir sie so gerne hätten oder gar brauchten!

Bei unseren Völkern waren wir rechtzeitig auf der Hut, womit wir ein Abschwärmen vermeiden und sie Nektar sammeln lassen konnten - nicht zuletzt zu Ihrer Freude.


Sogar einige der von uns bereits im April geretteten Schwärme hatten ausreichend Zeit so viel Nektar zu trocknen, dass auch Sie in den Genuss dieses Honigs kommen können - dank der Unterbringung und Pflege durch uns und - natürlich - dank der Besitzer der ausgesucht schönen Gärten in bienenfreundlichen Umgebungen, in denen diese komfortablen Behausungen

ihren Platz fanden. 

Des Öfteren liest man von einer Nahrungskonkurrenz von Honigbienen zu Wildbienen. Das ist teilweise sicherlich richtig, einfach weil viele Nektar- und Pollenspender evolutionsbedingt von den gleichen Tieren besucht werden.


Auch die erfreuliche "Renaissance" der Imkerei ändert an diesem Verhältnis erst einmal nichts, da hier zunächst lediglich die Lücken gefüllt werden, die viele mittlerweise ältere Imker hinterlassen, da sie das (eben auch) anstrengende Hobby aufgrund von Alters- oder Gesundheitsaspekten aufgeben.


Was sich verändert hat ist in vielen Bereichen das Nahrungsangebot für die Tiere, was aber unserer Meinung nach nicht dazu führen sollte, dass man die Zahl der Honigbienen reduzieren muss um das Verhältnis zu den Wildbienen oder anderer Insekten vermeintlich wiederherzustellen.


Was sich verändern muss, ist also das zu geringe Nahrungsangebot. Es muss sich deutlich erhöhen. Die Regierungen der Länder, Kreise und Kommunen machen es vor: es werden Ackerrandstreifenprogramme in Zusammenarbeit mit Landwirten und Naturschutzverbänden umgesetzt, es werden Grünzonen eingerichtet, es wird zunehmend naturnah und heimisch bepflanzt, immer mehr Städte ringen sich dazu durch, Dächer und ganze Fassaden zu begrünen und vieles mehr. 


Aber auch jeder einzelne von uns kann dazu beitragen, das Nahrungsangebot zu erhöhen und oder Lebensraum zu schaffen!


Auch Sie.


Tun Sie es!


Auch Sie können durch eine geeignete Bepflanzung ihres Gartens, Ihres Vorgartens, Ihrer Balkonkästen oder Ihrer Terassenkübel Einfluss hierauf nehmen. Samenmischungen gibt's gratis bei der Stadt Langenfeld!


Sie haben schon bienenfreundlich gepflanzt?

Dann hängen Sie doch gleich auch ein passendes Insektenhotel auf.


Sie haben schon eins und das ist gut besucht?

Beste Voraussetzungen für ein Zweites, oder? 


Tun Sie es!


Nein, Bienen gehen nicht an Kuchen oder Grillgut! Das sind die Anderen (die auch sehr wichtig sind, aber deren Zahl in der direkten Umgebung sich meistens durch Erhöhung der Bienenzahl deutlich mindern lässt).


Helfen Sie mit, in unserem Ländchen ein "grünes Netzwerk" zu errichten.

Ein Netzwerk, in dem sich unsere Mitlebewesen von Balkon zu Balkon, Garten zu Garten, Grünfläche zu Grünfläche, Stadtteil zu Stadtteil hangeln können!


Es wird Zeit.

Hummel in Rhododendronblüte

Wildbiene (Hummel)

in Rhododendronblüte

Honigbiene an Passionsblumenblüte

Honigbiene an Passionsblumenblüte (passiflora)

Honigbiene in Oleanderblüte

Honigbiene in Oleanderblüte (nerium oleander)

Woldbiene am wolligen Ziest

Wildbiene an wolligem Ziest

(stachys byzantina

Zunächst mal

bis zum Spätsommer


Ihre "Privatimker"

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