Spätsommer 2020

Spätsommer 2020

Auch wenn es noch nicht in jedem unserer hiesigen Gärten der Fall ist und es vielleicht nicht auf alle Apfelsorten zutreffen mag - auf jeden Fall sind laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) am 09. Juli 2020 die ersten pflückreifen Äpfel gemeldet worden. Und somit hält bei uns gerade der Spätsommer Einzug.


Im langjährigen Mittel beginnt dieser bei uns um den 04. August herum und endet etwa vierzehn Tage später mit den Früchten des Holunders im Frühherbst.


Geben wir für die Mittelwertberechnung einen Zuschlag von zehn Tagen, so sind wir immer noch zwei Wochen zu früh dran. Aber vielleicht dauert er ja dieses Jahr etwas länger. Warten wir's ab.


Angaben zur Phäniologie: Deutscher Wetterdienst (DWD)

Hurra! Die Schwarmzeit ist vorbei!


Dieses Jahr war sie aber auch wirklich lang: von Mitte März bis zum 10. Juli.

In der Regel beginnt sie Ende April und und endet um die Sommersonnenwende herum, aber in den letzten Jahren zeichnete sich der diesjährige Trend schon ab.


Und so durften wir dieses Jahr zehn Bienenschwärme retten und ihnen ein neues Zuhause geben.


Und da jetzt keine neuen Königinnen zum Schwärmen mehr nachgezogen werden müssen, können sich alle auf die Pflege normaler Arbeiterinnenbrut und das Heranschaffen von Nektar und der Trocknung zu Honig konzentrieren.


Wie? Und die Drohnen?


Gute Frage!


Mit dem Ende der Schwarmzeit interessieren sich unsere kleinen Freundinnen auch nicht mehr für den "Baurahmen". Dieser hat keine Vorgabe der Zellengröße (für Arbeiterinnen) durch eine Mittelwand, sondern wird frei von den Bienen gebaut - und zwar mit etwas größeren Zellen für die Drohnenbrut. Da auch die Königinnen wissen, dass Drohnen bald nur noch unnütze Esser sind, legt sie in diese Zellen auch keine (unbefruchteten) Eier mehr. Und da dieser Raum ja jetzt frei ist, lagern unsere Kleinen eben Honig dort ein. 


Aber keine Angst um die armen Männchen. Noch, also noch für kurze Zeit, werden sie in den Völkern geduldet, und noch werden an den unteren Rändern der Wabenrähmchen auch einige Drohnen herangezogen. Es wird also noch eine Zeit lang genug von ihnen geben, zumal sie ja auch (ohne Begattung) 30 bis 40 Tage alt werden. Und so dürfen sie sich noch ein Weilchen an den Futtertöpfen bedienen und ihr Leben genießen.

In ein paar Wochen kommt es jedoch zur Drohnenschlacht. Die dann "unnützen Esser" werden nicht mehr in den Bienenstock hineingelassen, und die, die noch drin sind, werden, notfalls mit vereinten Kräften, hinausbefördert. Und da sich die Drohnen der Honigbienen - im Gegensatz zu den Drohnen solitär lebender Bienen - nicht in der Lage sind, sich an Blüten selbst mit Nektar und Pollen zu versorgen, werden sie aus Kräftemangel zunächst flugunfähig und sterben schließlich.

Aber noch ist es ja nicht so weit.



Was ebenfalls in nächster Zeit wichtig für unsere kleinen Freundinnen wird, ist die ausreichende Bewachung ihres mühsam erarbeiteten Wintervorrats.


Gegen wen?


Den Imker? 


Nein. Gegen diese kleinen Freundinnen hier:

Nein, wirklich! Räuberei wird ein großes Thema werden, wie jedes Jahr im Spätsommer. Gleich Hordenweise versuchen räuberische Bienen benachbarter Völker an den Fluglochwachen vorbei ins Innere des Stockes zu gelangen, sich nach oben an die Honigtöpfe zu schleichen und dort Honig für den eigenen Wintervorrat zu stehlen.


Dabei geht es dann oft ziemlich hoch her, und so manche Räuberin oder Verteidigerin verliert das eine oder andere Beinchen, wenn nicht gar ihr Leben. Zeugnis hiervon sind die Hinterlassenschaften (Beinchen, Leichen etc.) auf der Kontrolleinlage.


Schwache Völker haben natürlich schlechte Karten. Hier schaffen es die Überfallenen nicht, sich gegen die Invasoren zu wehren und verlieren oft ihren ganzen Wintervorrat - sogar innerhalb weniger Stunden.


Damit das nicht passiert, kann der Imker helfen indem er die Fluglöcher der schwachen Völker verkleinert und den Wachen so eine Chance gibt, ungebetene Gäste abweisen zu können.


Die sicherste Abwehr ist aber natürlich immer


=> starke Völker!

Soviel zunächst bis hierher.


Und hier noch ein paar Impressionen zum Spätsommer.

Mauerbiene an Weißklee
Honigbiene in Oleanderblüte

Wildbiene

(gehörnte Mauerbiene,

osmia cornuta)

an Weißklee (trifolium repens)

Honigbiene

(apis mellifera)

an

Weißklee

(trifolium repens)

Mauerbiene an Weißklee
Honigbiene an Weißklee

So etwas können Sie bei sich im Garten sehen, wenn Sie den Klee etwas wachsen lassen!

Übrigens: Weißklee wird von vielen Insekten besucht, der Bestäubungsmechanismus jedoch kann nur von Apoiden wie beispielsweise den Honigbienen oder Hummeln ausgelöst werden.


Machen Sie mit bei der Aktion:


Gib dem Klee eine Chance!


(Womit natürlich nicht nur Weißklee, Rotklee (trifolium pratense) oder Blutklee (trifolium incarnatum) gemeint sein müssen, sondern auch die vielfältigen anderen Pflänzchen, wie zum Beispiel das wollige Habichtskraut (hieracium villosum), das rote Habichtskraut (hieracium aurantiacum), die Braunelle (prunella vulgaris) oder den kriechenden Günsel (ajuga reptans). Alle werden sie von diversen Tierchen besucht.

Sie werden mit Sicherheit Ihre helle Freude daran haben.)

Gartenhummel an Nachtkerze

Gartenhummel

(bombus hortorum)

an

Nachtkerze

(oenothera biennis)

Foto: Gartenhummel in Nachtkerzenblüte
Honigbiene mit Pollen des Wiesen-Schlangenknöterichs
Honigbiene an Kratzdistel

Honigbiene (apis mellifera)

an

Kratzdistel (cirsium arvense

Schauen Sie sich mal diese tolle Pollenfarbe an. Blaue Pollen liefern einige Pflanzen, wie zum Beispiel die Facelie, das Büschelschön, die Kugeldistel oder der Natternkopf. Aber dieses herrliche schwarzblau ist ein Indiz für den Schlangen-Wiesenknöterich, der von Mai bis Ende August blüht und unsere kleinen Freundinnen reichlich mit Nektar versorgt. Und ab und an kann man dann wohl doch einige Pollen dabei abstauben.

Wildbiene an Kratzdistel

Wildbiene, möglicherweise Keulhornbiene (ceratina cucurbitina)

an Kratzdistel

Und den Nektar aus allen diesen wunderschön blühenden Pflanzen trocknen unsere kleinen Freundinnen zu Honig. Die letzten Wochen haben sie also Sommerhonig gemacht. 

Und dabei waren sie nicht nur sehr fleißig, sondern, wie man an der wunderschön verdeckelten Wabe sehen kann, oberdrein auch sehr ordentlich.

Und da dieses Jahr nahezu alle geernteten Honigwaben genau so aussahen, gab es auch dieses Jahr nicht nur wieder erstklassigen Honig, sondern davon auch ausgesprochen viel.


Was Sie hier sehen, ist allerdings noch nicht der Honig, sondern die hauchdünne Wachsschicht, mit der die Bienchen die Honigzellen "verdeckeln" wenn der Honig "reif" ist.

Dabei überziehen die Bienen nicht die ganze Wabe mit einem Wachsfilm, sondern jede Zelle einzeln.

Unter der Lupe sieht ein solches Deckelchen also so aus:

Und auf jeder Seite eines Wabenrähmchens befinden sich ungefähr 3.200 dieser Zellen!

Um an den Honig zu gelangen, müssen diese Wachsdeckelchen zuerst einmal vorsichtig abgehoben werden. Dies geschieht mithilfe einer Entdeckelungsgabel mit vielen breiten Zinken. Nach ungefähr der Hälfte sieht eine Wabenrähmchenseite dann so aus:

Leider gibt es kein Bildformat mit Geruchs- oder Geschmacksfunktion. Aber zu einer Honigreise bei uns laden wir Sie recht herzlich ein!

Wenn also die Honigwaben entdeckelt sind, können sie geschleudert werden. Das anschließende Ergebnis sieht dann so aus.

In der Nahaufnahme kann man die leeren Zellen besser erkennen. Aber auch, wie zerzaust die Ränder der einzelnen Zellen sind.


Aber keine Sorge:

in ein paar Tagen haben unsere fleißigen Freundinnen alles wieder repariert.


(Wir haben diese Wabe für Sie markiert. In ein paar Tagen zeigen wir Ihnen diese Wabe noch einmal.)

Übrigens: Es sind zur Zeit auch wieder andere Leckermäuler unterwegs. Und die lieben nicht nur ebenfalls den duftenden Honig, sondern für ihren Nachwuchs vor allem nicht Vegetarisches.

Na? Können Sie es erkennen?

Hier mal ein wenig größer.

Was der Nachwuchs braucht, ist Fleisch. Also wird alles, was nicht als Futter genutzt werden kann, abgetrennt. 


Zuerst der Kopf, dann Flügel und Beine...

Sie sehen richtig: hier macht sich eine deutsche Wespe (vespula germanica) über eine unserer kleinen Freundinnen (apis mellifera) her.


Und der Verzehr dieses "Snacks" geht so schnell vonstatten, dass man kaum schnell genug den Auslöser betätigen kann.

... und schließlich der Hinterleib, so dass nur noch das Brustsegment mit den kräftigen Flugmuskeln übrig ist - das, was wirklich zählt.

Und ehe man sich's versieht, ist von der Biene nichts mehr da. Diese ganze Aktion hat ungefähr nur eine Minute gedauert. Aber Wespen fangen nicht immer nur lebende Bienen vor dem Flugloch ab oder fallen über scheinbar ziellos herumlaufende Bienen her. Wespen sind unter anderem ja auch deshalb so nützlich, oder, um es einmal aus der nicht menschlichen Perspektive zu benennen, ein unverzichtbarer Bestandteil im großen Naturpuzzle, weil sie auch Destruenten sind.


Und so betätigen sie sich eben auch als Aufräumer, indem sie die tausenden von täglich verendeten Bienen (wie bereits erwähnt: Eine Bienenkönigin legt im Moment noch um die 1.500 Eier pro Tag - was auch bedeutet, dass ungefähr acht Wochen später ebensoviele Bienen sterben) und andere verstorbene Insekten beseitigen und auch andere Tierkadaver beseitigen helfen. Nicht auszumalen, täten sie das nicht! Wahrscheinlich müssten wir uns wohl durch meterhohe Insekten- und anderer Tiere Leichenberge kämpfen.

So viel zunächst bis hier. 

In ein paar Tagen können Sie sich die reparierten Zellen der ausgeschleuderten Honigwabe anschauen.






Bis dahin


Ihre "Privatimker"

Bienenfee-1